Wenn ich auch angetroffen habe hier in Australien, hat mir gesagt Adelaide sei ein todlangweiliges Pflaster. Gut, ich war ja schon von Melbourne nicht besonders angetan, aber dass eine Stadt mit über einer Million Einwohnern so langweilig sein kann, war schwer zu glauben.
Ich hatte schon einen Fehler gemacht, weit bevor ich hier ankam: Ich hatte vier Tage in der Stadt gerechnet, drei auf Kangaroo Island und weitere drei im Barossa Valley. Da der Indian Pacific-Zug nur Donnerstag und Sonntag fährt kam noch ein weiterer Tag dazu. Also elf Tage Adelaide…
City, 14. – 26. Februar 2006
Gut die Leute hatte Recht: Adelaide ist für Touristen wirklich nicht gerade der Hammer. Wenn man nicht wirklich gerne in Museen und Galerien herumhängt, gibt es hier nicht viel zu sehen.
Wie die meisten Städte in Australien wurde auch Adelaide auf dem Reissbrett entworfen, so dass alle Strassen rastermässig angelegt sind. Es gibt ein paar vereinzelte Parks, die aber zu klein sind und zu nahe am Verkehr liegen, um gemütlich zu sein.
So weiss ich auch wirklich nicht genau, was ich hier noch mehr schreiben soll. Wenigstens gibt es noch einen Strand, aber auch der liegt weit ausserhalb. Mit dem Tram braucht man eine gute halbe Stunde.
Kangaroo Island, 17. – 19. Februar 2006
Diese Insel liegt ziemlich genau vor den Toren von Adelaide. Etwa fünf Kilometer von der Küste entfernt.
Ich habe wieder einmal einen 3-Tages-Trip gebucht: Am ersten Tag stand Surfen auf dem Programm und Leute ich sage Euch der Sport ist verdammt hart. Auf dem Brett (Stehen, kniend oder liegend) ist man in “Nullkommanichts” am Strand, aber dann wieder rauskommen ist Knochen-Arbeit. Nach zwei Stunden im Wasser ist man richtig fertig. Aber es hat wirklich Spass gemacht und ich denke, ich werde in Perth noch ein paar Stunden mehr auf dem Brett stehen.
Nach dem Surfen fuhren wir mit ziemlich kleinen Schiffe bei ziemlich grossen Wellen auf die Insel hinüber. Es macht mir mittlerweile gar nichts mehr aus. Die Wellen können so hoch sein wie sie wollen und das Schiff kann tanzen und tanzen. Ich werde nicht mehr Seekrank.
Die Insel selber fand ich etwas enttäuschend. Ich hatte gehofft viel mehr Tiere zu sehen und wahrscheinlich bin ich auch langsam etwas abgestumpft. Ich habe schon so vieles gesehen, dass mich ein paar Kängurus und ein paar Koalas nicht mehr vom Hocker hauen. Aber wir hatte eine gute Gruppe und so hat es trotzdem Spass gemacht.
Mit Daniela, die ich auf der Tour kennengelernt habe, habe ich dann noch einige Zeit nach der Tour verbracht bis sie wieder nach Melbourne geflogen ist.
Barossa Valley, 23. Februar 2006
So wie das Hunter Valley ist auch das Barossa Valley mehr eine Ebene als ein Tal. Nichtsdestotrotz ist es weit über die Australischen Grenzen hinaus für den exzellenten Wein bekannt. Insbesondere von den uralten Shiraz-Rebstöcken gibt es einen wunderbaren Rotwein.
Weil ich schon ziemlich gelangweilt war, wollte ich nicht auch noch an meinen Geburtstag in Adelaide herum hängen. Also beschloss ich auf Weintour zu gehen. Es gibt hier zahlreiche Angebote. Aber leider gibt es nur 1-Tages-Touren und nicht drei wie ich es geplant hatte. Schon wieder zwei Tage mehr in Adelaide.
Die Tour war richtig interessant, wir hatten einen guten Guide und es waren ein paar gute Leute dabei. Dieses Mal ging es “nur” zu vier Weinbauern, aber das hat auch gereicht. Dazwischen gab es ein herrliches BBQ mit Känguru-Fleisch.
Ich habe mir einen 2002 Shiraz und und einen guten Portwein aus dem Hause Brithany gekauft, um meinen Geburtstag zu feiern. Meine Freunde waren schon alle ein paar Tage zuvor aus Adelaide abgereist, so dass es eine ziemliche Ego-Party wurde.
Haie und Delphine
Adelaide ist ziemlich bekannt für Weisse Haie und Delphine. Um Beide in freier Wildbahn zu erleben, kann man Touren buchen. Wobei beides nicht ganz günstig ist: Für ein paar Stunden mit Delphinen zu schwimmen, zahlt man gut und gerne 100 Dollar und mit den Haien geht es dann erst richtig zur Sache. Eigentlich wollte ich an meinen Geburtstag ein Treffen mit dem Weissen Hai arrangieren, aber eben. Bis 1’700 Dollar stehen auf der Preisliste für eine dreitägige Tour.
Aber es gibt auch sehr günstige Alternativen, wenn man ein bisschen Glück hat: An einem schönen Tag war ich mit Daniela am Strand. Als wir für eine Abkühlung Richtung Wasser gingen, und es ist hier im Süden wirklich eine Abkühlung, sagte sie plötzlich: “Hey, da ist ein Delphine!“ “Ja, ja.” meinte ich nur und ging weiter ins tiefere Wasser. Da sagte sie schon wieder: “Da ist wieder ein Delphine!” Und dieses Mal sah ich gerade noch wie die Rückenflosse im Wasser verschwamm. Wir wateten zu der Stelle, wo wir ihn gesehen hatten. Nichts. Als wir zurück zum Strand gingen, kam er uns dann direkt entgegen und schwamm keine zwei Meter an uns vorbei ins offene Meer hinaus. Das war wirklich ein ganz beeindruckendes Erlebnis.
Adelaide zu verlassen war nicht wirklich schmerzlich… Mit dem Zug ging es dann 2’659 Kilometer nach Perth an der Westküste des Kontinents. Aber davon erzähle ich Euch das nächste Mal…