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Australien

Albany und Exmouth

Zum Abschluss meiner Australien-Reise wollte ich nochmal etwas ganz spezielles machen. Natürlich musste es etwas mit Tauchen zu tun haben. Da ich sowieso schon an der West-Küste war, suchte ich mir die besten Tauch-Spots heraus: Albany und Exmouth. Ich habe mir den Luxus gegönnt, diese beiden Dörfer per Flugzeug zu besuchen. Die Reise mit dem Bus von Perth nach Exmouth dauert nämlich satte 19 Stunden (ein Weg) und darauf konnte ich gut und gerne verzichten. Ausserdem ist das Flug-Ticket nicht viel teurer als das Bus-Ticket.

Albany, 4. – 8. März 2006

Albany liegt im südlichsten Teil von Western Australia. Es ist ein kleines Städtchen mit einem riesigen Walfang-Museum, imposanten Klippen und zahlreichen Nationalparks. Ausserdem gibt es zwei Schiff-Wracks ganz in der Nähe.
Die lokalen Tauch-Schulen haben zusammen mit der Stadt einen immensen Aufwand betrieben, damit die beiden Schiffe HMAS Perth und Cheynes III als künstliche Riffe und Tauch-Attraktion versenkt wurden.
Ich habe mich für einen Wrack-Tauch-Kurs eingeschrieben, der vier Tauchgänge vorsah, jeweils zwei an jedem Wrack. Es war ein guter Kurs, obwohl ich mich mit dem Instructor nicht wirklich gut verstand. Einer seiner ersten Sätze war: “And you call yourself a dive master!” und in diesem Stil ging es in etwa weiter. Ich war nicht traurig seine Tausch-Schule wieder zu verlassen.

Cheynes III

Dieses gut 50 m lange Schiff wurde 1947 vom Stapel gelassen. Es diente in der Region um Albany als Walfang-Boot. Als in den 70er Jahren der Widerstand gegen den Walfang immer stärker wurde und die Wal-Produkte kaum noch Absatz fanden, entschieden sie die Walfänger in Albany ihr Business einzustellen. Und so verlor auch die Cheynes III ihre Aufgabe.
1982 wurde das Schiff in der Nähe vom Hafen von Albany im Schutz einer kleinen Insel als künstliches Riff und Tauch-Attraktion in einer Wassertiefe von etwa 23m versenkt. Leider war die Explosion beim Versenken so stark, dass das Schiff in zwei Teile brach. Heute ist das Schiff am Zerfallen und es ist zu gefährlich in das Wrack einzudringen. Nichtsdestotrotz ist es ein schöner Tauchgang, denn das Wrack ist komplett mit Weich-Korallen, Anemonen und Schwämmen überwachsen.

HMAS Perth

Die HMAS Perth wurde 1965 vom Stapel gelassen. Die Australische Marine bestellten in den USA drei Schiffe dieser Klasse, die Hobart, die Brisbane und eben die Perth. Die Schiffe sind 133 m lang, 18 m breit, 46 m hoch und haben eine Tonnage von 4’720 Tonnen. Die Besatzung bestand aus 21 Offiziere und 312 Matrosen. Obwohl die Hauptaufgabe der Perth der Schutz des Luftraumes war, war sie auch mit Raketen-Werfer, Kanonen und Torpedos bewaffnet. In den 60er und 70er Jahren diente die Perth im Vietnam-Krieg.
1999 wurde das Schiff ausser Dienst gestellt und dem Staat Western Australia übergeben. Dieser beschloss das Schiff als künstlicher Riff zu versenken. 2001 war es endlich soweit. Das Schiff wurde unweit vom Hafen von Albany in einer Wassertiefe von etwa 35m versenkt.
Obwohl die Sicht an diesem Tag ziemlich schlecht war, war es sehr eindrücklich an diesem grossen Schiff zu tauchen. Es wurde speziell für Taucher hergerichtet, so dass man an zahlreichen Stellen durch das Schiff hindurch tauchen kann. Es war schon lustig die alten Toiletten, die Betten, die Computer-Konsolen und Stühle zu sehen.
Beim zweiten Tauchgang an diesem Schiff und im Rahmen meines Kurses wirbelte der Instructor den Schlamm am Boden auf und innert weniger Sekunden war es stockdunkel. Ich konnte weder die Hand vor meinem Gesicht noch der Kegel meiner Taschenlampe sehen. Zum Glück hatte ich ein Seil ausgelegt und konnte nun diesem nach draussen folgen. Es ist schon ziemlich ein Nerven-Krieg, wenn man taucht, nichts sieht und weiss, dass man eingeschlossen ist. Aber bis auf das Detail, dass sich das Seil in meiner Rolle verheddert hat, meisterte ich die Aufgabe zur Zufriedenheit meines Instructors.
Weitere Informationen, Webcam (über und unter Wasser) sowie viele Bilder siehe: hmasperth.com.au

Exmouth, 8. – 13. März 2006

Als ich in Learmouth aus dem Flugzeug stieg, wusste ich, es würden heisse fünf Tage in Exmouth werden. Ich freute mich darauf nochmals richtig Wärme oder besser Hitze zu tanke bevor es nach Hause ging.
Ein Shuttle-Bus brachte mich vom Flughafen zum Backpackers und meine erste Handlung nach dem Einchecken im Hostel war das Einchecken in der Tauchschule. Nachdem ich schon in Cairns gelernt hatte, dass ich viel zu früh in Exmouth sein würde, um die Walhaie zu sehen, musste ich jetzt weitere Enttäuschungen hinnehmen. Die Tauchschule hatte vor kurzem die Lizenz verloren am wohl bekannten Navy Pier zu tauchen. Bei meiner Anmeldung hat mir das niemand gesagt und ich war ganz schön enttäuscht. Zählt dieser Tauch-Spot doch zu den Top 10 in der Welt.
Ich habe mich aber noch für einen Unterwasser-Fotografie-Kurs angemeldet. Dieser fand sogar statt und es hat mir wirklich viel Spass gemacht (Die Fotos findet Ihr natürlich in der Gallery).

Ningaloo Reef

Das Riff war an den meisten Stellen, an denen wir getaucht haben, ganz anders als das Riff in Cairns. Was sofort auffiel, war die schlechte Sicht. Etwa zehn bis 15 Meter. Aber gerade dieses trübe Wasser voller Plankton ist dafür verantwortlich, dass dieses Riff jedes Jahr zwischen April und Juli von Walhaien besucht wird und das Mantas fast immer gesehen werden können.
Was als zweites auffällt, ist die unglaubliche Anzahl und Vielfalt von Fischen und anderen Lebewesen wie Seesterne und Schnecken. Manchmal schwamm man förmlich durch Fisch-Suppe. Es erinnerte mich ganz an das Tauchen an der SS Yongala.
Die dritte Überraschung ist dann das beinahe komplette Fehlen von Korallen an vielen Tauch-Platzen. Ab und zu erhebt sich eine kleine Hirn- oder Pilz-Koralle, aber die meisten Strukturen sind tot. Gut, das stimmt nicht für alle Plätze. Am letzten Tag besuchte ich die Muiron Island, die etwa eine Stunde von Exmouth entfernt ist. Hier gibt es jedem Menge und auch riesige Korallen, dafür gibt es viel weniger Fische.
Es war auf jeden Fall nochmals ein tolles Erlebnis am Ningaloo Reef zu tauchen und ein würdiger Abschluss für meine Australien-Reise.

Im Moment bin ich auf dem Weg von Exmouth nach Perth. Dieser Flug markiert den Anfang meiner Heimreise. Einer sehr langen Heimreise. Morgen verbringe ich noch einem Tag in Perth, übermorgen fliege ich nach Cairns und den Tag darauf zurück in die Schweiz. Ich sollte also, wenn alles glatt läuft, am 17. März zurück sein.
Dieser Reisebericht ist somit wohl der letzte. Auf jeden Fall der letzte, den ich in Australien geschrieben habe. Je nach Lust und Laune und natürlich Ereignisse beim Heimflug schreibe ich Euch noch einmal wenn ich irgendwo zwischen Sibirien und dem Ural bin.

Von Süd- nach West-Australien

Nach den langen Tagen in Adelaide war es Zeit für einen Seitenwechsel. Da ich nicht wirklich ins Outback fuhr, entschied ich mich während der Zugfahrt von Adelaide nach Perth die Australische Weiten zu erfahren.

The Indian Pacific, 26. – 28. Februar 2006

Der Indian Pacific-Zug fährt von Sydney via Adelaide nach Perth. Zusammen mit anderen beiden Strecken The Ghan (von Adelaide via Alice Springs nach Darwin) und The Overland (von Adelaide nach Melbourne) bilden diese Züge die wichtigsten Eisenbahnverbindung in Australien. Die Strecken, die sie dabei zurücklegen sind immens: The Indian Pacific fährt 4’352 Kilometer, The Ghan 2’979 Kilometer und The Overland immerhin 828 Kilometer.
Ich habe mir nur einen “kleinen” Abschnitt vorgenommen. Von Adelaide nach Perth sind es immer noch 2’659 Kilometer. Diese Reise dauert 41 Stunden!
Wenn ich im Vorfeld dieser Reise erzählt habe, was ich machen will, bekam ich ganz verschiedene Reaktionen: Einige meinten, die Tour wäre das Schlimmste, was sie je gemacht haben. Es wäre so langweilig und so mühsam gewesen. Andere kamen aus dem schwärmen nicht mehr heraus. So war ich ziemlich gespannt, was mich erwarten würde.
Die Reise begann einmal mehr mit der Frage “Wieso?”. Ich war zusammen mit ein paar Leute aus meinem Hostel zum Bahnhof gefahren. Viel zu früh. Wir haben gleich unser Gepäck eingecheckt und dann auf den Zeitpunkt des Einsteigers gewartet. Als die Ansage endlich kam, gingen wir hinaus auf den Bahnsteig und ich sah gerade wie das Gepäck hinausgerollt wurde. Ich sah mir das Gepäck an und sagte: “Hey, wieso haben diese alle ein oranges Adress-Schild? Mein Gepäck hat ein grünes bekommen!” Ich holte mein Abhol-Schein aus dem Portemonnaie und da stand dann Alice Springs. Nun suchten alle ihren Abhol-Schein heraus und einer hatte auch noch einen grünen. Ich meine, wir hatten noch Witze gemacht, wie es wäre, wenn unser Gepäck auf den falschen Zug geht, denn The Ghan war eine Stunde zuvor abgefahren!
Also sofort zum Check-In und unser Problem erklärt. Die Jungs nahmen es richtig gelassen. Die Australische Gelassenheit überrascht mich immer wieder. Zum Glück fahren die beiden Züge eine ganze Weile die gleiche Strecke. So wurde unser Gepäck in Port Agathe ausgeladen und in unseren Zug wieder eingeladen!
Irgendwie war es komisch. Das Ganze hat mich überhaupt nicht gestresst. Ich habe wohl auch schon die Australische Gelassenheit übernommen. Wenn das Gepäck nach Darwin gefahren wäre, dann wäre es eben dahin gefahren. Wir hätten eh nichts machen können… Nichtsdestotrotz waren wir in Perth ziemlich froh, als wir unsere Gepäck wiedersahen.
Die Reise selbst war ziemlich gemütlich. Ich hatte wieder einmal richtig Zeit zum Lesen. Im Moment bin ich an der Autobiografie von Nelson Mandela. Ein sehr spannendes und interessantes Buch. Ausserdem gab es im Salon-Wagen ein paar Steckdosen und so schrieb ich den Reisebericht von Adelaide.
Die Sitze, die wir hatten, waren am Tag ganz angenehm, aber zum Schlafen in der Nacht war die Rückenlehne zu steil und so schlief ich nicht gerade viel.
Die unendliche Weite kann man schon erleben in diesem Zug. Es gibt einen 770 Kilometer langen Abschnitt ohne eine einzige Kurve. Einfach gerade aus.
Wäre das Essen nicht so schlecht gewesen, ich hätte noch gut ein zwei Tage weiterfahren können. Aber schliesslich wartete Perth auf uns und so stiegen wir eben aus…

Perth, 28. Februar – 4. März 2006

Von Perth hatte ich fast nur Gutes gehört und so war ich gespannt, was mich erwarten würde. Perth ist die abgelegenste Grossstadt der Welt und hat über eine Million Einwohner. Die Stadt liegt am Swan river, der in und um Perth eher ein See ist als eine Fluss. Die Stadt liegt nicht direkt an der Küste, wie ich es erwartet habe, sondern etwa 20km landeinwärts.
Schon als ich mein Bett im Backpacker mit dem Namen Shiralee gebucht habe, schrieben mir die Schweizer Besitzer, dass das Thermometer an jenem Tag über 40°C gestiegen war. So freute ich mich auf die Wärme. Und es war auch schön war. Nicht mehr 40°C, aber das ist ja auch nicht nötig, aber immer hin noch schön war.
Die Stadt hat eine friedliche Aura. Es gibt nur eine handvoll Hochhäuser. Dies gibt der Stadt ein Kleinstadt-Feeling. In den Fussgänger-Zonen gibt es gemütliche Cafés und unten am Wasser des Swan river weht meistens eine erfrischende Brise.
Wenn ich eine Stadt in Australien aussuchen müsste, um ein paar Jahre dort zu leben, ich wurde mich entweder für Sydney oder eben Perth entscheiden. Vor allem der Süden der ist sehr schön.

So langsam neigt sich meine Reise dem Ende entgegen. Albany und Exmouth stehen noch auf der Liste und dann geht es nach Hause.

Adelaide

Wenn ich auch angetroffen habe hier in Australien, hat mir gesagt Adelaide sei ein todlangweiliges Pflaster. Gut, ich war ja schon von Melbourne nicht besonders angetan, aber dass eine Stadt mit über einer Million Einwohnern so langweilig sein kann, war schwer zu glauben.
Ich hatte schon einen Fehler gemacht, weit bevor ich hier ankam: Ich hatte vier Tage in der Stadt gerechnet, drei auf Kangaroo Island und weitere drei im Barossa Valley. Da der Indian Pacific-Zug nur Donnerstag und Sonntag fährt kam noch ein weiterer Tag dazu. Also elf Tage Adelaide

City, 14. – 26. Februar 2006

Gut die Leute hatte Recht: Adelaide ist für Touristen wirklich nicht gerade der Hammer. Wenn man nicht wirklich gerne in Museen und Galerien herumhängt, gibt es hier nicht viel zu sehen.
Wie die meisten Städte in Australien wurde auch Adelaide auf dem Reissbrett entworfen, so dass alle Strassen rastermässig angelegt sind. Es gibt ein paar vereinzelte Parks, die aber zu klein sind und zu nahe am Verkehr liegen, um gemütlich zu sein.
So weiss ich auch wirklich nicht genau, was ich hier noch mehr schreiben soll. Wenigstens gibt es noch einen Strand, aber auch der liegt weit ausserhalb. Mit dem Tram braucht man eine gute halbe Stunde.

Kangaroo Island, 17. – 19. Februar 2006

Diese Insel liegt ziemlich genau vor den Toren von Adelaide. Etwa fünf Kilometer von der Küste entfernt.
Ich habe wieder einmal einen 3-Tages-Trip gebucht: Am ersten Tag stand Surfen auf dem Programm und Leute ich sage Euch der Sport ist verdammt hart. Auf dem Brett (Stehen, kniend oder liegend) ist man in “Nullkommanichts” am Strand, aber dann wieder rauskommen ist Knochen-Arbeit. Nach zwei Stunden im Wasser ist man richtig fertig. Aber es hat wirklich Spass gemacht und ich denke, ich werde in Perth noch ein paar Stunden mehr auf dem Brett stehen.
Nach dem Surfen fuhren wir mit ziemlich kleinen Schiffe bei ziemlich grossen Wellen auf die Insel hinüber. Es macht mir mittlerweile gar nichts mehr aus. Die Wellen können so hoch sein wie sie wollen und das Schiff kann tanzen und tanzen. Ich werde nicht mehr Seekrank.
Die Insel selber fand ich etwas enttäuschend. Ich hatte gehofft viel mehr Tiere zu sehen und wahrscheinlich bin ich auch langsam etwas abgestumpft. Ich habe schon so vieles gesehen, dass mich ein paar Kängurus und ein paar Koalas nicht mehr vom Hocker hauen. Aber wir hatte eine gute Gruppe und so hat es trotzdem Spass gemacht.
Mit Daniela, die ich auf der Tour kennengelernt habe, habe ich dann noch einige Zeit nach der Tour verbracht bis sie wieder nach Melbourne geflogen ist.

Barossa Valley, 23. Februar 2006

So wie das Hunter Valley ist auch das Barossa Valley mehr eine Ebene als ein Tal. Nichtsdestotrotz ist es weit über die Australischen Grenzen hinaus für den exzellenten Wein bekannt. Insbesondere von den uralten Shiraz-Rebstöcken gibt es einen wunderbaren Rotwein.
Weil ich schon ziemlich gelangweilt war, wollte ich nicht auch noch an meinen Geburtstag in Adelaide herum hängen. Also beschloss ich auf Weintour zu gehen. Es gibt hier zahlreiche Angebote. Aber leider gibt es nur 1-Tages-Touren und nicht drei wie ich es geplant hatte. Schon wieder zwei Tage mehr in Adelaide.
Die Tour war richtig interessant, wir hatten einen guten Guide und es waren ein paar gute Leute dabei. Dieses Mal ging es “nur” zu vier Weinbauern, aber das hat auch gereicht. Dazwischen gab es ein herrliches BBQ mit Känguru-Fleisch.
Ich habe mir einen 2002 Shiraz und und einen guten Portwein aus dem Hause Brithany gekauft, um meinen Geburtstag zu feiern. Meine Freunde waren schon alle ein paar Tage zuvor aus Adelaide abgereist, so dass es eine ziemliche Ego-Party wurde.

Haie und Delphine

Adelaide ist ziemlich bekannt für Weisse Haie und Delphine. Um Beide in freier Wildbahn zu erleben, kann man Touren buchen. Wobei beides nicht ganz günstig ist: Für ein paar Stunden mit Delphinen zu schwimmen, zahlt man gut und gerne 100 Dollar und mit den Haien geht es dann erst richtig zur Sache. Eigentlich wollte ich an meinen Geburtstag ein Treffen mit dem Weissen Hai arrangieren, aber eben. Bis 1’700 Dollar stehen auf der Preisliste für eine dreitägige Tour.
Aber es gibt auch sehr günstige Alternativen, wenn man ein bisschen Glück hat: An einem schönen Tag war ich mit Daniela am Strand. Als wir für eine Abkühlung Richtung Wasser gingen, und es ist hier im Süden wirklich eine Abkühlung, sagte sie plötzlich: “Hey, da ist ein Delphine!“ “Ja, ja.” meinte ich nur und ging weiter ins tiefere Wasser. Da sagte sie schon wieder: “Da ist wieder ein Delphine!” Und dieses Mal sah ich gerade noch wie die Rückenflosse im Wasser verschwamm. Wir wateten zu der Stelle, wo wir ihn gesehen hatten. Nichts. Als wir zurück zum Strand gingen, kam er uns dann direkt entgegen und schwamm keine zwei Meter an uns vorbei ins offene Meer hinaus. Das war wirklich ein ganz beeindruckendes Erlebnis.

Adelaide zu verlassen war nicht wirklich schmerzlich… Mit dem Zug ging es dann 2’659 Kilometer nach Perth an der Westküste des Kontinents. Aber davon erzähle ich Euch das nächste Mal…

Tasmanien

Nach meinem Durchänger in Melbourne war ich in Tasmanien wieder voller Elan. Vielleicht ein bisschen zu viel wie sich herausstellen sollte.

1. Tag, 8. Februar 2006

Das Flugzeug landete mit gut einer Stunde Verspätung in Hobart. Nachdem ich in einem Backpacker eingecheckt hatte, überlegte ich, was ich während den nächsten fünf Tagen unternehmen sollte. Für den 4. und 5. Tag hatte ich Tauchen geplant, also blieben mir noch drei weitere Tage.
Die Idee war ein Auto zu mieten und ein “bisschen” auf der Insel herumzufahren. Die Idee war zwar gut, aber ich hatte nur zwei Tage am Stück und es stellte sich heraus, dass das ziemlich wenig ist auf Tarmaniens Strassen.

2. Tag, 9. Februar 2006

Ich war extra früh aufgestanden und hatte den Auto-Vermieter ebenfalls früher aus dem Bett gescheucht. So konnte ich bereit gegen 8:30 Uhr abfahren. Ich fuhr einen uralten Ford Falcon mit einigen Rostbeulen und knapp 340’000 km auf dem Kasten. Es hatte eine 2-Gang-Automatik-Schaltung. Ich habe noch nie ein so altes Auto gemietet, aber es fuhr und es war günstig. Das erste Mal “Wieso?” fragte ich mich, als ich etwas ausserhalb von Hobart auf die Tank-Anzeige schaute. Mein Tank war fast leer. Also wieder zurück in die Stadt. Es kostete mich gut eine halbe Stunde eine Tankstelle zu finden und anschliessend wieder zurück auf die richtige Strasse zu kommen.
Ich beschloss als erstes nach Queenstown zu fahren. Es liegt nahe der Westküste und nach meiner Karte 260km von Hobart entfernt. Diese Entscheidung war fatal, denn ich hatte keinen Plan was ich nach Queenstown machen würde… Nach dem Abenteuer auf der Great Ocean Road hätte ich es eigentlich besser wissen müssen, dass man die Karte genauer anschauen sollte.
Von Queenstown beschloss ich nach Strahan an der Küste zu fahren. Von Strahan nach Cradle Valley, wobei ich eine Abzweigung verpasste und einen Kreis, dass heisst zusätzliche 60 km fuhr. Im Cradle Valley beschloss ich die Nacht in Launceston zu verbringen, wobei ich übersah, dass dazwischen ein ganz kleinen Stück Strasse fehlte. “Wieso?”. Also landete ich in Devenport und fuhr schliesslich von da nach Launceston.
Als ich in Launceston endlich ein Nachtlager gefunden hatte, zeigte mein Kilometer-Zähler knapp 700 km!

3. Tag, 10. Februar 2006

Der Tag begann mit der Frage “Wieso bin ich hier hinaufgefahren?” Schliesslich wollte ich am nächsten Tag tauchen und mein geplanter Tauchplatz befand sich auf der anderen Seite der Insel. Es würde ein weiterer langer Tag werden.
Wieder stand ich früh auf und wieder würden meine Pläne durchkreuzt: Es stellte sich als nicht ganz einfach heraus wieder aus Launceston heraus zu kommen. Ich verschwendete eine Stunde, um den Weg zu finden.
Von Launceston fuhr ich nach St. Helens. Von St. Helens nach Bicheno. Von Bicheno nach Sorell. Und schliesslich von Sorell nach Eaglehawk Neck. Meinem Tagesziel. Die Uhr stand bei 18:30 Uhr, der Kilometer-Zähler bei gut 600 km. Ich war so etwas von müde und vor allem war ich froh, heil angekommen zu sein.
“Wieso das Ganze?”. So etwas blödes habe ich noch selten in meinem Leben gemacht. Ich bin zwar gut 1’300 km über die ganze Insel gefahren, gesehen habe ich allerdings nicht wirklich viel.

4. Tag, 11. Februar 2006

“Wieso?” Es war gegen 12:00 Uhr mittags und ich glitt langsam tiefer und tiefer im 18°C kalten Wasser. Ich weiss nicht genau warum, aber irgendetwas trieb mein Körper in den roten Bereich. Die Atmung war schnell und flach und ich hatte mühe es zu kontrollieren. War es das kalte Wasser oder der 7mm-Neopren-Anzug, der mich so eingeengte? Als ich am Grund auf knapp 18m Tiefe ankam, stand ich kurz vor einer Panik. Es brauchte einige Beherrschung um nicht gleich wieder nach oben zu gehen und den Tauchgang zu beenden.
Nach etwa fünf bis zehn Minuten gelang es mir endlich meine Atmung unter Kontrolle zu bringen und von da an war es ein einfacher und schöner Tauchgang. Wir sahen einen grossen Rochen etwa 1.5m Spannweite. Ich hatte noch nie ein so grossen Fisch gesehen und es war sehr eindrücklich.
Bei weiten Tauchgang hatte ich keine Probleme mehr und konnte mich voll und ganz auf die Umgebung konzentrieren. Der felsige Grund ist fast vollständig von Algen und anderen Pflanzen bedeckt. Wobei Algen nicht grün und schlammig sind so wie bei uns in der Schweiz. Hier sind Algen riesige Pflanzen mit einem Stängel und fielen Blätter. Die Farbe liegt zwischen orange und braun. Nicht grün wie ich es erwartet hatte. Die einzelnen Pflanzen waren nur etwa zwei bis drei Meter hoch.

5. Tag, 12. Februar 2006

Bei meinem 80. Tauchgang wurden meine Träume erfüllt. Am Morgen gegen 10:00 Uhr fuhren wir in eine ruhige Bucht, die nur einen sehr schmalen Eingang zum Meer hin hatte. Schon bei der Anfahrt sahen wir den Kelp an der Wasseroberfläche.
Als wir in das Wasser eintauchten, war zuerst nicht viel zu sehen, aber als wir ins tiefere Wasser schwammen, tauchten plötzlich riesige Gebilde im trüben Wasser auf.
Erst eine, dann zwei und schliesslich ein ganzer Wald von Kelp-Pflanzen tat sich vor uns auf. Es sind eindrückliche Pflanzen. Sie kommen in Gewässer vor bis 40 m Tiefe vor und erreichen trotzdem die Wasseroberfläche. Sie wachsen bis zu 45cm pro Tag! Nur Bambus wächst schneller.
In diesem Dickicht wimmelt es von Leben. Gut, es ist nichts im Vergleich zum Great Barrier Reef oder einem anderen Riff, aber wenn man etwas genauer hinschaut, sieht man einiges Leben.
Der letzte Tauchgang war auf eine ganz andere Art spektakulär. Die Szenerie wurde von riesigen Felsblöcken dominiert, die zum Teil bis an die Wasseroberfläche reichten. Auch hier war alles überwachsen.
Nach dem Tauchen fuhr ich hinunter nach Port Arthur, einer der ältesten Orte in Australien.

6. Tag, 13. Februar 2006

Ich nutzte den schon wieder letzten Tag in Tasmanien, um das historische Port Arthur zu besuchen. Den Anfang machte hier eine Straf-Kolonie, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebildet wurde.
Wenn man die gängige Literatur liest, sieht man immer wieder Zitat von Captain Cook und Co, die sich über die Barbaren, dass heisst über die Aborigines, spotten. Wenn man aber sieht, was die Briten mit den Eingeborenen und den eigenen Leuten gemacht haben, sieht man schnell, wer die wahren Barbaren waren.
In Port Arthur war Auspeitschen eine gängige Strafe. Bis zu 200 Hiebe wurden erteilt. Weil die Gefangenen wegen Schmerzen und Blutmangels ohnmächtig wurden, wurden sie ins Spital gebracht, gepflegt bis sie wieder da waren und dann ging es weiter.
Straffällige Knaben ab sieben Jahren konnten in England ins Gefängnis geworfen werden. Mit acht konnte man sie am Galgen aufhängen und mit neun konnte man sie nach Australien deportiert. Für Kleinigkeiten wie Stehlen eines Taschentuches oder schlicht und einfach essen.
Viele der alten Gebäude sind noch in Takt und es ist ein eindrückliches Gefühl durch das Gefängnis zu gehen und die Zellen zu sehen, die manchmal nur zwei auf einen Meter gross waren. Fenster gab es keine und der Tasmanische Winter kann ziemlich kalt sein.
Am späten Abend führ ich zurück nach Hobart, wo ich meine letzte nach in Tasmanien verbrachte. Ich gab auch mein Auto wieder ab. Die Höllenmaschine hatte 1’500 km mehr auf dem Tacho.

7. Tag, 14. Februar 2006

Den letzten Stunden verbrachte ich mit Packen und in einem gemütlichen Café in der Fussgänger-Zone von Hobart.
Wie immer war der Himmel blau am Morgen. Gegen Mittag begannen die üblichen Wolken aufzuziehen und ich hätte wetten können, dass es am Abend ganz bedeckt war und vielleicht gab es ein bisschen Regen.

Tasmanien ist wirklich eine super schöne Insel mit einer eindrücklichen Landschaft und Vegetation. Aber! Aber während der Zeit, als ich dort war, war es Sommer und ich habe mir die ganze Zeit an den Hintern gefroren. Das kann es definitiv nicht sein.
Jetzt in der Luft irgendwo zwischen Hobart und Adelaide hoffte ich, dass die Temperaturen auf dem Kontinent wieder etwas sommerlicher sein würden.

Canberra und Melbourne

Die kleinen Dörfer von der Ost-Küste liegen nun definitiv hinter mir und es geht von einer Gross-Stadt zur nächsten. Sydney war super und ich war gespannt, was Canberra und Melbourne zu bieten haben.

Canberra, 31. Januar – 1. Februar 2006

Als sich die Australischen Staaten 1901 zusammen schlossen, entbrannte ein Streit welche Stadt nun Hauptstadt von Australien werden sollte: Sydney oder Melbourne. Da bis 1908 keine Einigung gefunden wurde, stellte der Staat New South Wales Land zur Verfügung, um eine neue Hauptstadt zu bauen. Canberra, was in der Aborigines-Sprache so viel heisst wie Treffpunkt, wurde mitten im Outback auf halben Weg im Nirgendwo zwischen Sydney und Melbourne aus dem Boden gestampft. 1927 wurden die Staatsgeschäfte von Melbourne nach Canberra verlegt.
Die Stadt wurde auf dem Reissbrett entworfen und so sind Strassen, Plätze und Pärke symmetrisch angelegt. Es sieht aus, als sei die ganze Stadt an der Achse zwischen Parlament House und War Memorial gespiegelt worden. Auffallend sind besonders die zahlreichen, unendlich grossen Parks, die mit Statuen und Denkmälern übersät sind. In der Mitte der Stadt erstreckt sich ein See, der natürlich auch künstlich angelegt wurde und in diesem See gibt es einen Jet d’eau, der angeblich 134m hoch sein soll. Ich hatte aber der Eindruck, dass er die 50m-Marke nicht übertrifft.
Ich war nur zwei Tage in Canberra, aber so viel gelaufen wie dort bin ich noch selten. Die Stadtrundgänge im Lonely Planet sind normalerweise vier bis sechs Kilometer. Der von Canberra ist zwölf! Ein Park nach dem anderen.
Es ist eine ruhige, gemütliche Stadt und von den über 300’000 Einwohner ist nicht viel zu spüren. Allerdings gibt es ausser Denkmäler und Parks nicht viel zu sehen und auf das Australian War Memorial konnte ich sowieso gut verzichten.
Nach spätestens zwei Tagen weiss man nicht mehr, was man machen soll und so ist es gut weiter zukommen.

Melbourne, 1. – 8. Februar 2006

Den meisten Leute sind der Meinung, dass Melbourne die schönere Stadt ist als Sydney. Ich kann das gar nicht befürworten. Gut, es ist schwierig eine Millionen-Metropole zu beurteilen, wenn man nur ein paar Strassen gesehen hat, aber ich konnte dieser Stadt nicht viel abgewinnen.
Vielleicht war ich nicht gerade objektiv. Ich hatte ein Durchhänger während dieser Zeit. Ich hatte keine Lust mehr weiter zugehen, ich hatte keine Lust mehr irgendetwas zu machen. Ich bin meistens einfach ziellos in der Stadt herumgelaufen.
Es war eine komische Zeit, denn eigentlich freute ich mich nach Melbourne zu kommen, denn hier traf ich Martin wieder, mit dem ich zusammen in Carins in der Schule war und wir hatten eine gute Zeit zusammen. Ich freute mich wieder einmal jemand vertrautes zu sehen.

Great Ocean Road & The Twelve Apostles

Well, auf der Karte im Lonely Planet sah alles ganz einfach aus: Etwa 150 bis 200 km schätzen Martin und ich bis zu den The Twelve Apostles, einer spektakulären Felsformation im Meer. Also sollten wir mit unserem Mietauto in drei Stunden spätestens da sein. Es kam ein bisschen anders…
Nach gut drei Stunden waren wir noch nicht da. Auch nicht nach vier und fünf Stunden! Das Problem war, dass die Great Ocean Road die eine oder andere Kurve hat. Dadurch konnten wir nicht schnell fahren und die Strecke war ein Vielfaches länger. Nach etwa fünfeinhalb Stunden und über 300 km waren wir endlich am Ziel.
Im Nirgendwo zwischen Melbourne und Adelaide ein paar Meter von der Küste entfernt, stehen ein paar riesige Sandstein-Blöcke im Meer. Während Tausenden von Jahren hat sich das Meer durch den Sandstein gefressen und hat dabei diese Kolosse gebildet. Die einzelnen Blöcke sind vielleicht 15 -.20m hoch und haben einen Durchmesser von 8 – 25m.
Etwas salopp gesagt sieht es aus, wie der Felsblock bei Bonifatsio auf Korsika. Nur ist es nicht einer sondern mehrere. Unsere Begeisterung hielt sich auf jeden Fall in Grenzen und wir hatten ein langer Heimweg.

Phillip Island

Diese kleine Insel liegt im Süden von Melbourne. Sie ist vor allem für ihre kleinen Pinguine bekannt, die im Süden der Insel nisten. Wie bei allem in Australien muss man auch für die Besichtigung einen guten Batzen hinlegen.
Die Pinguine jagen den ganzen Tag draussen im Meer und kommen erst zurück, wenn es Dunkel ist. Wenn das Licht am Horizont langsam verschwindet, tauchen am Strand plötzlich kleine, schwarze Geschöpfe auf. Zuerst nur einer, dann zwei. Die Pinguine versammeln sich in kleinen Gruppen in den sich brechenden Wellen, um dann gemeinsam die gefährliche Strecke über den Sand bis zu den Büschen zu watscheln.
Die Pinguine sind nur etwa 30cm hoch, erreichen aber eine erstaunliche Geschwindigkeit. Sie sind wirklich putzig und Martin hat mindestens 100 Mal “So härzig!” gesagt .
Nach dem Eindunkeln war es ziemlich kalt, denn der Wind blies uns direkt ins Gesicht. Zum Glück drängten sich ein paar Japaner vor uns und bildeten so ein bisschen Schutz. Zum ersten Mal in Australien war ich dankbar, dass unser Auto auch eine Heizung hatte.
Fotos durfte man wieder einmal keine machen. Angeblich wegen den empfindlichen Augen der Tiere. Ich hatte aber wieder einmal den Verdacht, dass es besser für die Einnahmen der Souvenir-Shops war.