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Abschied und Neubeginn

Nein, nein, ich gehe noch nicht nach Hause. Dafür ist der Wetterbericht aus der Schweiz viel zu schlecht… Aber die Schule haben wir letzte Woche beendet und so fällt alles ein bisschen auseinander. Es heisst Abschied nehmen von den Leuten, die nach Hause gehen oder die, die Stadt verlassen, um noch ein anderen Teil des Landes zu besuchen. Bei vielen, die einem ans Herz gewachsen sind, weiss man, dass man sie wohl nie wieder sehen wird und das ist schon ein bisschen hart.
Da mein letzter Reisebericht schon wieder zu lang zurück liegt, gibt es einiges zu berichten:

White Water Rafting, 26. November 2005

Fred wollte unbedingt auf diesen Trip gehen und wir hatten definitiv eine Menge Spass. Wir waren zu acht in dem Schlauchboot und so ging es den ganzen Tag durch den Regenwald einen wunderschönen Bach hinunter. Ich und Fred haben die vordersten beiden Plätze besetzt und ich durfte, nach meiner lange zurückliegenden Ruder-Karriere, wieder einmal der Schlagmann spielen (Der Schlagmann ist der, der den Takt angibt und nicht der, der alle anderen schlägt).

Reef Flight, 27. November 2005

Das Riff von oben zu betrachten, ist in Carins ziemlich populär. Unzählige Unternehmen bieten Flüge mit Flugzeug oder Helikopter an. Das Angebot ist unübersichtlich und reicht von einem Flug von 30 Minuten bis zu einem Tages-Trip mit Aufenthalt auf einer kleinen, privaten Insel auf hoher See.
Ich habe mich mit Nancy und Martina für einen Flug mit einer kleinen Maschine während 45 Minuten entschieden. Es kostet etwa 70 Doller (~70 Franken).
Als die Maschine abhob, war ich mir nicht ganz sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war. Der Seitenwind war ziemlich stark und das kleine Flugzeug wankte und hopste durch die Luft. Sobald wir aber einigermassen Höhe gewonnen hatten, beruhigte sich alles und der Rest des Fluges war sehr ruhig.
Die Aussicht war wirklich phänomenal und ich habe gegen 100 Fotos geschossen. Ein paar findet Ihr wie immer in der Gallery.

Prüfungen, 3. – 13. Dezember 2005

Obwohl niemand wirklich Prüfungen mag, konnten wir es kaum erwarten bis es endlich los ging. Schliesslich markierten die Prüfungen das definitive Ende der Schulzeit.
Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl. Das Hörverständnis war ziemlich schwierig. Dafür fand ich Use of Englisch also den Grammatik-Teil ziemlich einfach, obwohl ich mit diesem Teil in den Test-Examen am meisten Mühe hatte.
Naja, das Resultat wird in zwei bis drei Monate bekannt sein. Also mach ich mir keine Gedanken mehr darüber. Bestanden habe ich auf jeden Fall.

Nitrox-Kurs, 15. – 16. Dezember 2005

Wie versprochen im letzten Reisebericht hier ein kurze Einführung in Nitrox-Tauchen: Unter Wasser ist der Körper einem grösseren Druck ausgesetzt als an Land. Der Druck steigt pro 10m Wassertiefe um 1bar. Unter diesem Druck löst sich Stickstoff, der in der Atemluft ist, über die Lunge in den Blutkreislauf. Je länger und tiefer man taucht umso mehr Stickstoff löst sich ins Blut. Wenn man nun zu viel Stickstoff im Blut hat und zu schnell auftaucht. Löst sich der Stickstoff aus dem Blut und es entstehen Bläschen im ganzen Körper und das ist ziemlich ungesund. Der Effekt ist etwa so wie wenn man eine Cola-Flasche zu schnell öffnet!
Normale Luft besteht aus 21% Sauerstoff und 79% Stickstoff. Beim Nitrox-Tauchen erhöht man den Sauerstoff-Anteil bis zu 40%. Die Idee dahinter ist, wenn man weniger Stickstoff in der Atem-Luft hat, kann auch weniger Stickstoff ins Blut gelöst werden. Das Tauchen wird dadurch sichererer. Da ist aber auch ein Nachteil: Sauerstoff wird unter Druck für den Menschen giftig. Je mehr Sauerstoff im Gemisch ist, desto eher wird er giftig. Das ist aber nicht wirklich ein Problem, weil man selten in diese Tiefen taucht.
Ich hoffe, dass haben jetzt alle mehr oder weniger verstanden. Sonst könnt Ihr mir wie immer ein E-Mail schreiben
Der 2-Tages-Trip war nicht wirklich nach meinem Geschmack. Da meine bevorzugte Tauch-Schule Pro Dive kein Nitrox anbietet, musste ich auf Down Under Dive ausweichen. Das Ganze war ziemlich unprofessionell und ich musste die ganze Zeit meinem Instructor hinterher laufen, um meinen Kurs absolvieren zu dürfen. Ausserdem tauchen die Jungs ohne Tauch-Computer und benutzen stattdessen Tauch-Tafeln. Ich habe nichts gegen Tauch-Tafeln, aber gegen eine ultra-konservative Benutzung. Sie wollten mir beinahe das Tauchen verbieten, weil ich angeblich zu lang zu tief getaucht war. Aber in Wirklichkeit waren wir nur ein paar Minuten an einer tiefen Stelle und danach auf über 10m. Also kein Problem. Es ist gut, wenn man beim Tauchen konservativ ist, aber man kann konservativ sein und man kann zu konservativ sein.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass die nächsten Trips wieder mit Pro Dive sind…

Beginn Dive Master-Kurs, 16. Dezember 2005

Direkt nach dem Nitrox-Kurs habe ich mit dem Dive Master-Kurs angefangen. Der Kurs dauert 16 Tage!
Die ersten zwei Tagen absolvierte ich den Theorie- und den Pool-Teil vom Open Water Diver-Kurs, um mein Wissen zu aktualisieren. Denn dieser Kurs beinhaltet auch das Assistieren eines Instructor während eines Tauch-Kurses. Also sollte ich einigermassen wissen, was die Tauch-Neulinge machen und lernen müssen. Nicht wirklich ein Problem für mich, obwohl ich doch noch ein paar neue Dinge gelernt habe.
Am dritten Tag assistierte ich dem Instructor bei einem Rescue Diver-Kurs. Den Kurs, denn ich vor knapp einem Monat selber absolviert habe.

Homestay-Wechsel, 17. Dezember 2005

Ich habe meine Unterkunft gewechselt. Ich war der Meinung, dass ich meiner alten Gast-Familie genug auf die Nerven gefallen bin und speziell sie mir! Ausserdem wollte ich auf keinen Fall die Weihnachten dort verbringen.
Da in der Schule im Moment nicht viel läuft d.h. keine Studenten hier sind, einige Familien aber trotzdem einen Studenten möchten, kann ich auch nach meiner Schulzeit noch in einer Homestay bleiben. Das ist ziemlich günstig.
Ich wohne jetzt bei einer alten Dame etwa 10 Minuten zu Fuss vom Zentrum und von meiner Tauch-Schule entfernt. Das ist besonders praktisch, weil ich in den nächsten Tagen des öftern dort sein werde. Die alte Dame, sie ist gegen 70, ist sehr gesprächsfreudig und hat immer einen Witz auf Lager.
Meine neue Adresse findet Ihr unter Kontakte.

Schon ziemlich heftig geht es Richtung Weihnachten. Für mich ist es irgendwie ungreifbar. Es kann doch nicht Weihnachten sein, wenn die Sonne scheint und es 35°C warm ist.
Nichtsdestotrotz wünsche ich Euch allen ein schönes und geruhsames Weihnachtsfest.

Great Barrier Reef

Viele haben mich immer wieder gefragt, wieso ich bis jetzt noch nichts vom Great Barrier Reef und vom Tauchen geschrieben habe. Ganz einfach: Bis vor kurzem war ich noch nicht wirklich am Riff. Auf Green Island und Fitzroy Island kann man zwar auch ein paar vereinzelte Korallen und Fische bewundern, aber nichts im Vergleich zum richtigen Riff.
Das Great Barrier Reef war einer der Hauptgründe, dass ich nach Carins gekommen bin und jetzt wo ich die ersten beiden Trips beendet habe, nerve ich mich, dass ich nicht schon viel früher damit begonnen habe.

3-Tages-Trip, 5. – 7. November 2005

Der Tag begann für mich um 5:00 Uhr. Um 5:55 Uhr holten mich die Leute von Pro Dive ab und brachte mich zum Schiff, die Scubapro II. Auf dem Schiff finden 32 Taucher und Staff bequem Platz. Nach dem Frühstück fuhren wir los, um etwa drei Stunden später beim ersten Tauchplatz zu sein.
Um 11:00 Uhr war der erste Tauchgang angesagt. Ein Check-Tauchgang. Wie ich das hasse. Ein Instructor oder Dive Master führt eine Gruppe von etwa acht Taucher an. Diese Übung macht man in erster Linie um zu überprüfen, ob alle Anwesenden tauch-tauglich sind. Das Leidige an der Geschichte ist, dass überall Taucher sind: Vorne, hinten, oben, unten, links und rechts. Und immer hast man ein paar Flossen im Gesicht.
Gut, ich will mich nicht beklagen, denn der Trip begann gleich mit zwei Highlight: Erstens war ich nicht der erste, der mein Frühstück an die Fische verfütterte und zweitens war ich nach dem ersten Tauchgang nicht der erste zurück an Deck (Ein Insider, für weitere Erklärungen schreib mir ein Mail).
Die nächsten zehn Tauchgänge absolviere ich mit einem Israeli (Der Gute hatte gerade vier (!) Jahre Armee hinter sich gebracht). Es war ganz angenehm mit im zu tauchen, ausser, dass er atmete wie ein Walross. Nach einer halben Stunde war er meistens ausgeschossen. In der Regel hätte ich den nächsten Tauchgang mit der gleichen Flasche machen können…
Wir tauchten am Flynn Reef und am Milln Reef. Diese beiden Riffe erstrecken sich jeweils über ein paar hundert Meter und so gibt es verschiedene Tauch-Spots, die wir betauchen konnten. Besonders schön war Gordons Mooring. Dieser Spot besteht aus unzähligen kleinen Korallen-Stöcken im seichten Wasser (5 bis 10m), um die man gemütlich herumcruisen kann. In diesen Lagunen wimmelt es von Leben.
Die Highlights waren unzählige Schildkröten (0.5 bis 2m), die entweder gemütlich assen oder in der Nacht irgendwo zwischen den Korallen schliefen. Haie sind an diesem Riff fast immer anzutreffen. Leider in der Regel nur kleine Riff-Haie (bis 2m).
Der Trip war wirklich super und ich war das erste Mal glücklich mich für Cairns entschieden zu haben. Kaum hatte ich das Schiff verlassen, dachte ich auch schon an den nächsten Tauchgang. Zwei Wochen später war es endlich soweit.

Rescue Diver-Kurs, 19. – 23. November 2005

Schon früh hier in Australien habe ich mich entschieden, mich auch in Sachen Tauchen ein bisschen weiter zu bilden. Nach Open Water und Advanced Open Water ist der Rescue Diver der nächste Kurs in der PADI-Hierarchie.
Wie der Name schon sagt, geht es beim Rescue Diver-Kurs darum, Tauch-Umfalle vorzubeugen und im Fall des Falles richtig zu reagieren. Der fünftägige Kurs beginnt mit einem 1. Hilfe-Kurs (1 Tag). Es gab nicht viel neues. Ausser das Bedienen eines vollautomatischen Defibrillator (Zum “Resceten” eines flimmernden Herzens).
Der zweite Tag begann mit viel Theorie. Am Nachmittag gingen wir in den Pool (dreckig, salzig, chlorig und 32°C warm), um ein paar Sachen zu üben: Reagieren auf einen hysterischen Taucher an der Oberfläche, reagieren auf einen bewusstlosen Taucher Unterwasser und an der Oberfläche, reagieren auf einen übermüdeten Taucher, abschleppen eines müden Tauchers, abschleppen, beatmen und ausziehen des Equipments eines bewusstlosen Tauchers. Letzteres ist ersten ziemlich mühsam und zweites sehr anstrengend.
Die folgenden drei Tage verbrachte ich wieder auf einem Schiff. Das heisst wieder um 5:00 Uhr aufstehen . Zur Abwechslung waren wir dieses Mal auf der Scubapro III. Wieder Frühstück, wieder hinauffahren, wieder Check-Tauchgang, wieder…
Während diesen drei Tagen absolvierten wir vier spezielle Tauchgänge, bei denen wir das gleiche übten wie im Pool. Ausserdem mussten wir immer wieder “ausrücken”, um ein paar Taucher mit fiktiven Problemen zu bergen (Ist besonders mühsam, wenn man gerade auf der Toilette sitzt).
Mit meinem Buddy hatte ich weit weniger Glück als beim letzten Mal. Die gebürtige Französin, die in Australien lebt und arbeitet, war nicht ganz einfach zu “händeln”. Unter Wasser schwamm sie entweder zwischen meinen Flossen (Sie muss Check-Tauchgänge lieben) oder sie war so weit weg, dass ich sie suchen musste. Ausserdem brauchte sie doppelt so viel Luft. Ehrlich gesagt, ich hätte ihr in einem Tauch-Shop nicht einmal eine Taucherbrille ausgeliehen…
Auch bei diesem Trip waren wir wieder am Flynn Reef und Millan Reef und zum Teil an den gleichen Spots. Aber das macht nichts: An einem Riff kann man immer wieder Neues entdecken. Ich habe endlich meine erste Schnecke selber gefunden. Sie war etwa 10 cm lang und so gelb, dass nicht einmal ich sie übersehen konnte!
Das absolute Highlight waren aber die beiden Nacht-Tauchgänge. In den Nächten nach dem Vollmond im November ist im südlichen Pazifik Paarungszeit der Korallen. Alle Polypen sprühen zur gleichen Zeit, kurz nach Sonnenuntergang, Samen und Eier aus. Das Wasser ist voll davon und an der Oberfläche reicht es extrem nach Fisch. Es ist interessant dieses Naturschauspiel zu beobachten und natürlich lassen sich zahlreiche Fische diese einfache Nahrung nicht entgehen.

Jetzt bin ich ein richtiger, ein zertifizierter (!) Rescue Diver. Aber damit nicht genug. Das Meer und das Tauch-Fieber hat mich gepackt. Ich habe die nächsten 30 (!!!) Tauchgänge schon gebucht. Ich habe mich entschieden nach der Schule weitere zwei Wochen in Cairns zu bleiben, um ein Nitrox-Kurs und der Dive Master-Kurs zu absolvieren. Ich werde Weihnachten und Neujahr auf dem Meer verbringen und darauf freue ich mich jetzt schon.
Die Leute, die jetzt keine Ahnung haben, was Nitrox ist sollten beim nächsten Mal wieder vorbei schauen. Bis dahin wünsche ich Euch allen eine gute Zeit, friert nicht zu viel und werdet nicht depressiv unter dem Nebel… Sorry!?!

More Trips

Weil die Schule immer noch langweilig ist, braucht man ein Ziel. Gut der hoffentlich erfolgreiche Abschluss ist ein Ziel, aber er ist immer noch weit weg. So bleiben die Wochenende. Wir versuchen immer etwas zu unternehmen, so dass wir uns auf etwas freuen können. Wenn ich von wir schreibe, dann mein ich in erster Linie Frederic (Fredo), Michael (Mike) und natürlich mich selbst.
Hier zwei weiter Trips, mit denen wir das lang ersehnte Wochenende verbracht haben:

Woodleigh Cattle Station, 29. – 30. Oktober 2005

Der Trip begann mit dem Besuch dem Milla Milla-Wasserfall. Der etwa 10m hohe Wasserfall führt sogar jetzt gegen Ende der Trockenzeit immer noch Wasser. Ein etwa 15 x 10m grosse Becken lädt zum baden ein. Aber Vorsicht: In diesem kleinen See lebt ein Fisch mit dem Namen Cat Fish. Er mag es nicht, wenn man ihn stört. Wenn man diese Regel missachtet, schwimmt er mit seinen scharfen Flossen so nahe an einem vorbei, dass davon leichte Schnitt-Wunden resultieren. Ich war ziemlich überrascht, als mich plötzlich etwas Unterwasser attackierte und meine Fuss danach blutete. Aber nichts tragisches.
Danach ging es weiter zu der Woodleigh Cattle Station. Auf dieser Farm werden Rinder und Ziegen gezüchtet. Ausserdem haben sie sich auf die Pflege von Pferden spezialisiert, die einem anderen Besitzer gehören. Da wir die Nacht auf der Farm verbringen wollten, deponierten wir unser Gepäck und gingen dann zum nahen Flüsschen, um ein Bad zu nehmen.
Gegen Abend besuchten wir die Innot Hot Springs. An dieser Stelle kommt heisses Wasser aus der Erde an die Oberfläche. Besonders entspannende war es im Sand zu liegen, durch den der heisse Dampf dringt. Ist fast wie ein warmes Bad mit den Vorteil, dass es niemals kalt wird.
Nach einem hervorragenden BBQ sassen wir zusammen am Lagerfeuer, tranken ein paar Biere, sahen hinauf zu den Sternen und genossen die kühle Nacht.
Am folgenden Tag stand reiten auf dem Programm. Mein Hintern tut immer noch weh, wenn ich daran denke! Natürlich hatte ich den störrischsten Gaul erwischt, der nur machte, was er gerade wollte. Es war cool durch den Busch zu reiten, aber ich denke, ich habe es nach einem Mal gesehen.
Als nächstes hielten wir auf einer Frucht-Farm, auf der die besten Bananen in Australien angebaut werden. Gut, ich fand sie nicht so speziell, aber ich bin ja auch kein Experte.
Der beste Teil der Reise war der Besuchs bei einem älteren Herren, halb Aborigine, halb Weiss. Er stellte eine Vielzahl von traditionellen Kultur-Güter der Aborigines für Touristen her. Uns gab er eine Lektion im Werfen eines Bumerangs. Mit einem so hervorragenden Lehrer ist es ziemlich einfach. Allerdings auch ziemlich gefährlich, denn die Dinger sind ziemlich schnell und die Kanten ziemlich scharf. Schliesslich werden die Bumerangs von den Aborigines immer noch als Waffe auf der Jagt verwendet.

Cape Tribulation, 11. – 12. November 2005

Nachdem wir in bis jetzt immer geführte Touren gemacht haben, wollten wir nun etwas selber organisieren: Mit Manuela, Stefanie (Ste), Martin (Dinu), Michael (Mike), Frederic (Fredo, Fred) mietete ich ein Auto. Aber nach dem Motto “Klotzen nicht kleckern” mieteten wir nicht irgendein Auto sondern ein Toyota Land Cruiser. So ziemlich der grösste Jeep, den man in Australien finden kann. Auf der Strasse mit diesem Monster kann man die Angst der anderen Verkehrsteilnehmer förmlich spüren.
Ich hatte die Ehre der Fahrer zu spielen und nachdem ich am frühen Morgen alle aufgepickt hatte, machten wir uns auf den Weg nach Port Douglas, dass etwa 80 km nördlich von Carins liegt. Es ist ein schönes Städtchen, aber leider völlig von Touristen überflutet. Ober- und unterhalb von Port Douglas hat es wunderschöne einsame Strände. Aber Vorsicht: Baden ist lebensgefährlich. Im Wasser wimmelt es von Würfel-Quallen. Eine Berührung mit diesen Fischern kann sogar für Menschen tödlich sein. Auf jeden Fall soll es sehr schmerzhaft sein. Die Japaner hat es allerdings nicht vom Baden abgehalten…
Auf halber Strecke zwischen Port Douglas und Cape Tribulation machten wir einen Stopp in einem gemütlichen Strand-Restaurant, um etwas zu essen. Danach genossen wir den nächsten wunderschönen, einsamen Strand.
Am Cape Tribulation übernachten wir in einer Backpacker-Unterkunft und verbrachten den Abend mit ein, zwei guten Flaschen australischen Weines und ein paar Bieren. Am nächsten Morgen standen wir schon um 5:00 Uhr auf, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Er war wirklich bezaubernd. Gut so richtig wach waren wir noch nicht und so kehren wir in unsere Betten zurück, um noch ein paar Stunden zu schlafen.
Nach einem Frühstück mit originalem Nutella führen wir weiter nordwärts. Wir waren auf der Suchen nach einem kleinen Fluss, der etwas abseits der Strasse ein kleiner See bilden, in dem man herrlich baden kann. Allerdings verpassten wir die Stelle und fuhren weiter und weiter. Das war das absolute Highlight des Trips. Die Strasse verkümmert zu einer Schotterpiste, die manchmal so steil ist, dass man sogar mit einem 4WD Mühe hat. Als Fahrer hatte ich Party pur. Da es die meisten andern nicht so cool fanden, musste ich wieder umkehren und dieses mal fanden wir die richtige Stelle.
Der kleine See, eingebettet im Regenwald, war wirklich wunderschön. Das Wasser war glasklar und angenehm kühl und so bot er die erste wirkliche Abkühlung seit Tagen. Ab und zu kam eine kleine Schildkröte an die Oberfläche, um zu atmen und grosse himmelblaue Schmetterlinge flatterten um unsere Köpfe.
Danach war es schon wieder Zeit den Heimweg anzutreten. In Karanda südlich von Port Douglas assen wir ein herrliches Mittagessen und kehrten danach nach Cairns zurück.
Obwohl ich, seitdem ich von einem Jeep überfahren wurde, eine natürliche Abneigung gegen diese Fahrzeuge habe, war ich nicht wirklich glücklich meinen gemütlichen Land Cruiser am folgenden Tag wieder abgeben zu müssen.

Aber ich war während dieser Zeit nicht nur auf dem Land unterwegs. Ich war auch endlich am Great Barrier Reef. Davon mehr in meinem nächsten Bericht…

Never get bored

Obwohl Cairns ein verschlafenes Kaff ist, wird es hier eigentlich nie langweilig. Duzende von Trip- und Reisebüros bieten alles an, was man sich vorstellen kann und manchmal noch etwas mehr. Von Sky Diving über River Rafting bis Schnorcheln und Tauchen. Und von Tiefsee über Outback bis “Berge”!
In der Nacht wird es natürlich auch nicht anders. Unzählige Nightclubs, Dancings und Bars locken mit Happy Hour, Free entry for women und vielem mehr. Es wird nicht selten spät oder eher früh und der Kopf ist, aufgrund bestimmter Nebenwirkungen einiger Getränke oder auch der Reize des anderen Geschlechtes, auch nicht immer so klar wie er sein sollte.
Ich für meinen Teil bin in erster Linie wegen dem Tauchen und Schnorcheln nach Cairns gekommen und aufgrund zahlreicher Nachfragen will ich heute etwas darüber schreiben… Als erstes aber ein Bericht über ein anderer Trip, der auch schon wieder lange zurückliegt:

Josephine Falls und Johnstone River Crocodile Farm, 8. Oktober 2005

Dieser Trip war definitiv etwas überladen. Das Programm hätte auch für zwei Tage gereicht. Aber da Tony, unser Reiseleiter, immer knallhart kalkuliert und seine Trips mit Perfektion (mehr oder weniger) durchführt, sind wir gut durchgekommen.
Als erstes haben wir die Josephine Falls besucht. Ich denke, in der Schweiz hätten diese Wasserfälle kein Name bekommen. Wirklich nichts besonders. Aber da baden Tradition bei Tony’s Trips haben und einer der Wasserfälle eine natürlich Rutschbahn bildete, hatten wir trotzdem eine Menge Spass.
Vor dem Mittagessen gab es eine Frucht-Degustartion. Ich habe ehrlich gestagt nicht gewusst, dass es so viele verschiedene Bananensorten gibt. Bis jetzt kannte ich nur Dove, Chicita und Max Havelar .
Nach dem Mittagessen besuchten wir Tony’s geheimer Strand. OK, jetzt ist er nicht mehr so geheim. Also schon wieder baden. Die Wellen waren gross genug, so dass wir Body surfing praktizieren konnten.
Nicht ganz pünktlich gegen 15:15 Uhr kamen wir bei der Krokodil-Farm an. Gerade noch rechtzeitig zur Fütterung. Ja, so ein Kroki ist schon beeindruckend. Insbesondere wenn es EIN Meter vor Dir steht und das Gehege offen ist… OK, es waren noch ein paar Wärter dort, aber ich hatte das Gefühl, sie waren ab und zu auch etwas überrascht: Die Tierchen sind unglaublich schnell.
Für die meisten, insbesondere die weiblichen Teilnehmer war der Höhepunkt aber die handzahmen Kängurus. Wirklich so süüüüss und so weich und herzig und… Ich gebe es zu, ich fand sie auch wesentlich sympathischer als die Krokodile.

Passions of Paradise, 15. Oktober 2005

Die Passions of Paradise ist ein Katamaran (Segelschiff mit zwei Rümpfen). Der Trip war nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe: Erstens habe ich die Grösse völlig falsch eingeschätzt und anstelle von 20-30 Passagiere hatte es über 90. Und Zweitens war der Tag absolut windstill. Wirklich ganz geil auf einem Segelschiff. Zum Glück hatte das Schiff auch zwei starke Motoren, so dass wir trotzdem ans Riff fahren konnten.
Zu erst waren wir am Paradise Reef (Man ist ja wirklich kreativ mit den Namen). Bei dieser ersten Schnorchel-Tour war ich etwas Seekrank und konnte es deshalb nicht so geniessen.
Am Nachmittag nach einem ausgiebigen Mittagessen fuhren wir zur Upoly Cay. Mein Magen hatte sich mittlerweile beruhigt und ich genoss das Schnorcheln und Tauchen zwischen den einzelnen Korallen-Blöcken. Es war wirklich ein sehr schöner Platz und wie der Name Cay schon sagt, ragte eine kleine Sandbank aus dem Wasser und ein paar Leute hatten frech Sonnenschirm und -stühle aufgestellt.
Auf dem Heimweg raffte die Crew dann doch noch die Segel, nur um zu zeigen wie es so wäre und damit ich meine Kamera nicht umsonst mitgeschleppt habe…

Fitzroy Island, 21. – 23. Oktober 2005

Damit wir im Schulzimmer nicht vollständig verrotten, organisiert die Schule immer wieder Events während und ausserhalb der Schulzeit (wobei die SchülerInnen natürlich letzteres bevorzugen).
Am letzten Freitag trafen wir uns deshalb am Reef Terminal anstatt der Schule, um den Tag auf der Fitzroy Island zu verbringen. Für die, die nie genug bekommen, war es auch möglich eine oder zwei Nächte auf der Insel zu verbringen. Natürlich buchten wir das volle Programm.
Die Insel ist mit dem Schiff etwa in einer Stunde erreichbar und ist etwa so gross, dass man theoretisch in zwei Stunden rundherum laufen kann. Es ist allerdings nicht möglich, weil riesige Felsblöcke und der Regenwald den Weg versperren. Es gibt zwei schöne Strände, die den Nachteil haben, dass es kein Sand sondern nur Korallenstücke gibt. Hardcore-Akupressur für die Füsse…
Es war wirklich sehr spannend, denn die ganze Schule inklusive LehrerInnen waren auf der Insel und man hatte die Musse einander kennen zu lernen und zu diskutieren.
Das Schnorcheln war auf der Insel wirklich gut. Am südlichen Ende standen ein paar grosse Felsen im Wasser, auf denen sich die Korallen niedergelassen haben. Ich habe mich von der Idee verführen lassen vor Sonnenaufgang also gegen 6:00 Uhr ins Wasser zugehen. Es war genial. Es hatte viel mehr Fische als am Tag zuvor. Wasser-Schildkröten zogen gemütlich ihre Runden und ein Blaupunkt-Rochen schwebte friedlich durchs Wasser.
Es war wirklich ein sehr schöner Ausflug und ich genoss es ausgiebig am Strand zu liegen und zu lesen.

Soviel aus Cairns und Umgebung für dieses Mal. Dieses Wochenende gehen wir wieder einmal ins Outback. Eine “echte” Rinder-Farm steht auf dem Programm und da es ein Tony-Trip ist, wird es auch nicht ganz so trocken werden, wie es tönt…

Cairns

Cairns ist eine verschlafene Stadt. Von den angeblich 100’000 Einwohnern ist ausserhalb der Rush Hour nicht viel zu spüren. Die Stadt lebt vom Tourismus, insbesondere von den Tausenden von Schnorchlern und Tauchern, die das Great Barrier Reef sehen wollen.
Die Gebäude sind nur selten höher als zwei Stockwerk und meisten aus Holz gebaut. Mit schöner Fassade und nicht viel dahinter! Es hat so ein bisschen Südstaaten-Flair.
Im Zentrum reihen sich Reisebüros, Opal-Shops, Tauchschulen und Souvenir-Läden aneinander. Wirklich nichts spezielles.

Wetter

Im Vergleich zu Hongkong ist es hier schon fast “kühl”. Am Nachmittag steigt das Thermometer in der Regel gegen 28°C. Am Vormittag beginnen meistens ein paar Schönwetter-Wolken in den Himmel zu steigen, aber nur so, dass für die Sonne immer noch genug Platz bleib.
In der Nacht fallen die Temperaturen. Bei 20°C schläft es sich ganz gut. Apropos Nacht: Die Sonne geht schon gegen 6:00 Uhr auf! Dafür geht sie auch schon wieder um 18:00 Uhr unter und gegen 19:00 Uhr ist es Nacht.

Homestay

Meine Unterkunft ist wirklich spezial auch für australische Verhältnisse. Das Haus ist vollständig aus Holz gebaut und hat mehr Türen als Fenster. Das ist vielleicht auch der Grund, wieso ich kein Schlüssel habe. Das Haus steht immer mehr oder weniger offen!
Mein Zimmer ist recht gross und hat alles, was ich brauche.
Ich möchte nicht sagen, dass es dreckig ist. Aber so ganz sauber ist es eben auch nicht. Küche, Bad und Toiletten sind aber ordentlich gepflegt, so dass man hier gut leben kann.

Homestay-Mother

Patricia kann Fluchen wie ein Seemann. Dies bekommen ihre Kinder ab und zu zu spüren. Zu mir und den anderen Untermietern ist sie aber immer sehr freundlich und zuvorkommend.
Das Wichtigste aber ist, dass Patricia eine gute Köchin ist :-) . Eigentlich ist das Essen hier ziemlich normal. Interessant ist aber die Kombination der einzelnen Gerichte, die ganz anders ist als bei uns.

Homestay-Sister

Shiwon ist die gute und schlichtende Seele im Haus. Sie ist immer sehr hilfsbereit und hat immer für ein Schwätzchen Zeit.

Homestay-Brother

Nicolas oder NIck wie in die meisten nennen, ist dabei auszuziehen. Freundlich distanziert beschreibt ihn wohl am Besten. Aber das ist okay. Ich glaube, ich hätte auch meine liebe Mühe damit, wenn alle paar Wochen andere Leute in meinem Haus wohnen würden…

Pets

Ausserdem leben im Haus noch die alte Dobermann-Hündin Pepsi und der aschegraue Kater Joshi. Daneben leben noch ein Duzend Geckos hinter den Bildern an den Wänden. Sie fressen alles, was kriecht und flicht. Wirklich praktisch insbesondere gegen Mücken.
Hinter dem Haus stehen ein paar grosse Bäume, die von zahlreichen Vögeln und Fledermäusen bewohnt werden. Mein täglicher Weckdienst. Leider ist die Zeit nicht wählbar und so bin ich in der Regel schon vor Sonnenaufgang wach.

Schule

Unser Lehrer hat uns am ersten Tag die drei “Goldenen Regel” aufgeschrieben. Die erste lautete “Prüfungsvorbereitung ist manchmal langweilig!”. Die Realität der letzten zwei Wochen hat gezeigt, dass das Wort “manchmal” zu optimistisch war. Fünf Stunden Englisch büffeln pro Tag ist tödlich langweilig.
Es zwingt einem förmlich gegen die zweite Regel zu verstossen: “Komm immer zur Schule”.
Und wenn wir schon beim Verstossen sind. Die dritte Regel lautet. “Sprich kein Schweizerdeutsch”. Bei 95% oder auch mehr Deutschschweizer ist es leider unmöglich. Die Meisten sind zu faul sich ausserhalb der Schule die Mühe zu machen Englisch zu sprechen. Zum Glück ziehe ich meistens mit Fredo herum. Er ist Schwede und so sprechen wir regelkonform Englisch.

Die Mitleidende

Meine Klasse besteht in erster Linie aus “Eigenbrötlern”. Jeder macht, was er gerade will. Es ist nicht möglich als Klasse etwas zu unternehmen. Eigentlich schade.
Im Vergleich zu den andern Klassen ist unsere Klasse richtig international: Zwei Koreaner, eine Japanerin und ein Tessiner :-) . Die restlichen acht sind Deutschschweizer.

Trips

An unserer Schule gibt es den Crocodie Club, das hauseigenes Reisebüro. Der Crocman hat für jedes Wochenende ein paar gute und preiswerte Ideen, was man in und um Cairns so unternehmen kann.
Da in Cairns am Wochenende nicht wirklich die Post abgeht, haben wir bereits zwei dieser Aktivitäten getestet.

Green Island

Green Island ist die nächstgelegene Insel von Cairns im Great Barrier Reef. Mit dem Schiff ist man in etwa 45 Minuten dort. Wir haben ein 1-Tages-Trip gebucht, um etwas zu schnorcheln und in der Sonne zu liegen.
Das Riff wird täglich von einigen 100 Touris besucht und so sieht es entsprechend aus. Wenn Ihr mal nach Cairns kommt, dann sucht Euch eine andere Insel. Es gibt noch etwa 3’000 besser erhaltene!
So habe ich von unserem ersten Trip vor allem einen schmerzenden Sonnenbrand als Erinnerung behalten.

Chillagoe

Der erste Kontakt mit dem Outback war beeindruckend. Etwa 100 Kilometer landeinwärts ist nichts mehr vom tropischen Cairns zu spüren. Das Land ist spärlich mit Eukaliptus-Bäumen bewachsen und der Boden ist rostrot. Ab und zu erhebt sich ein Termiten-Hügel. Die Leere ist einfach gigantisch.
Chillagoe ist ein kleines Kaff, dass früher vom Gold und später vom Kupfer lebte. Heute verirren sich ab und zu ein paar Touris dorthin. Der Sandstein ist sehr porös und es gibt Tausende kleine und grosse, begehbare Höhlen.
Auf unserem Programm stand auch die Besichtigung zweier dieser Höhlen. Hand aufs Herz: Höhlen sind Höhlen! Egal ob in der Schweiz oder Australien.
Der Rest des Aufenthalts war aber wirklich super. Wir haben wilde Kängurus gesehen, den Sonnenuntergang und Sterne angeschaut, den Sonnenaufgang verpennt, in einem “Tümpel” gebadet, die trockne Hitze genossen und gut gegessen.
Es war wirklich ein super Ausflug.

Und der nächste Trip ist auch schon gebucht…